Methodik & Datenquellen: So rechnet unser Simulator
Ein Rechner ist nur so gut wie die Annahmen dahinter. Damit du unseren Ergebnissen vertrauen kannst, legen wir auf dieser Seite vollständig offen, wie der Autarkie-Rechner arbeitet: welche Formeln er benutzt, welche Standardwerte einfließen und wo die Grenzen des Modells liegen. Diese Seite richtet sich an alle, die es genau wissen wollen.
1. Die Erzeugungskurve
Für den Tagesverlauf der Solarerzeugung nutzen wir eine glockenförmige (gaußähnliche) Kurve über 24 Stunden mit dem Scheitelpunkt gegen 13 Uhr. Diese Kurve wird so skaliert, dass die Summe über das Jahr dem erwarteten Ertrag deiner Anlage entspricht. Grundlage ist der spezifische Jahresertrag in Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak (kWh/kWp), abhängig von der Ausrichtung:
| Ausrichtung | Faktor | Spez. Ertrag (Richtwert) |
|---|---|---|
| Süd | 1,00 | ca. 950 kWh/kWp |
| Ost / West | 0,88 | ca. 820 kWh/kWp |
| Nord | 0,55 | ca. 540 kWh/kWp |
Diese Werte sind typische Mittelwerte für Deutschland bei günstiger Neigung. Regional schwankt die Einstrahlung: Der sonnenreiche Süden liegt spürbar über dem sonnenärmeren Norden. Mehr dazu im Artikel Balkonkraftwerk-Ertrag und zur Winkelabhängigkeit unter Ausrichtung & Neigung.
2. Das Verbrauchsprofil (BDEW H0)
Für den Tagesverlauf des Verbrauchs verwenden wir das H0-Standardlastprofil des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft). Es beschreibt den typischen Stromverbrauch eines Haushalts über den Tag in 24 stündlichen Gewichtungswerten — mit den charakteristischen Spitzen morgens und abends und der Mittagsdelle. Dein eingegebener Jahresverbrauch wird nach diesem Profil auf die Stunden verteilt.
Das H0-Profil ist ein anerkannter Standard der Energiewirtschaft. Es bildet den durchschnittlichen Haushalt ab — dein realer Verlauf kann abweichen, etwa wenn du im Homeoffice arbeitest oder tagsüber niemand zu Hause ist. Wie du deinen tatsächlichen Grundverbrauch ermittelst, erklären wir unter Grundlast messen.
3. Die Batteriesimulation
Wenn du einen Speicher einstellst, simuliert der Rechner Stunde für Stunde die Energiebilanz — genau wie es in der Realität abläuft:
- Überschuss (Erzeugung > Verbrauch): Der Überschuss lädt zuerst den Speicher, der Rest wird ins Netz eingespeist.
- Unterdeckung (Verbrauch > Erzeugung): Zuerst wird der Speicher entladen, der Rest wird aus dem Netz bezogen.
- Wirkungsgrad: Bei jedem Laden und Entladen rechnen wir mit rund 92 % Wirkungsgrad je Richtung — Speicher sind nicht verlustfrei.
So entsteht über 8.760 Stunden ein realistisches Bild davon, wie viel Solarstrom du tatsächlich selbst nutzt statt ihn günstig einzuspeisen. Warum der Eigenverbrauch wirtschaftlich entscheidend ist, liest du unter Eigenverbrauch erhöhen.
4. Die Kennzahlen im Ergebnis
Aus der Jahressimulation berechnen wir folgende Ausgabewerte:
| Kennzahl | Berechnung |
|---|---|
| Ersparnis / Jahr | selbst genutzte kWh × Strompreis |
| CO₂-Einsparung | selbst genutzte kWh × ca. 0,40 kg/kWh |
| Autarkiegrad | selbst genutzte kWh ÷ Jahresverbrauch |
| Eigenverbrauchsquote | selbst genutzte kWh ÷ Jahresertrag |
| Amortisationszeit | Investition ÷ Jahresersparnis |
| Investitionsschätzung | ca. 0,60 €/Wp + ca. 700 €/kWh Speicher |
Der CO₂-Faktor orientiert sich am durchschnittlichen deutschen Strommix (Größenordnung 0,38–0,40 kg CO₂ je kWh). Da der Mix von Jahr zu Jahr grüner wird, ist dieser Wert ein Richtwert.
5. Bewusste Vereinfachungen
Ein Rechner, der in Sekunden ein Ergebnis liefert, muss vereinfachen. Wir tun das offen. Diese Punkte solltest du im Kopf behalten:
- Wetter & Jahreszeiten: Wir rechnen mit Jahresmittelwerten. Ein realer Tag kann durch Wolken, Schnee oder Hitze stark abweichen; der Winterertrag liegt deutlich unter dem Sommerertrag.
- Standort: Statt einer PLZ-genauen Einstrahlungsdatenbank nutzen wir bundesweite Mittelwerte. Für eine erste Einordnung ist das ausreichend genau.
- Verbrauchsverhalten: Das H0-Profil ist ein Durchschnitt. Wer gezielt tagsüber Wäsche wäscht, erreicht höhere Eigenverbrauchsquoten als der Rechner annimmt.
- Preise: Strompreis, Anlagenkosten und Vergütung sind Eingaben bzw. Richtwerte — sie ändern sich am Markt laufend.
- Degradation & Alterung: Module verlieren über Jahre langsam Leistung; der Rechner bildet ein typisches Betriebsjahr ab, keine 20-Jahres-Prognose.
6. Aktualität & Korrekturen
Wir überarbeiten Methodik und Standardwerte, wenn sich Marktdaten, Technik oder Gesetze wesentlich ändern. Sollte dir ein Fehler auffallen oder eine Annahme unplausibel erscheinen, freuen wir uns über deine Nachricht über die Kontaktseite. Transparenz lebt von Rückmeldungen.
Fazit
Der StromSimulator liefert eine fundierte, nachvollziehbare Größenordnung — kein Ersatz für ein individuelles Angebot eines Fachbetriebs, aber ein ehrlicher Startpunkt für deine Entscheidung. Probiere verschiedene Konfigurationen im Rechner aus und vergleiche Szenario A mit Szenario B, um ein Gefühl für die Hebel zu bekommen.